Angst/Aggression

Was ist Angst?

Angst ist ein emotionaler Zustand, gekennzeichnet durch Anspannung, Besorgtheit, Nervosität, innere Unruhe und Furcht vor zukünftigen Ereignissen.

Daraus lässt sich ableiten, dass

  • Angst von jedem Hund in unterschiedlicher Intensität empfunden werden kann.
  • ein Hund einen Reiz als bedrohlich empfinden kann – auch wenn für einen Außenstehenden kein klarer Bezug oder Auslöser erkennbar ist. Was der Hund als Bedrohung empfindet, "entscheidet" der Hund nicht wir!
  • bei Angst ein physiologischer Prozess in Gang gesetzt wird, auf den der Hund keinen Einfluss hat.
  • Angst ein von der Evolution geschaffenes Überlebensprogramm ist.

Hunde zeigen nicht immer so offensichtlich, dass sie Angst haben. Was dazu führen kann, dass der Mensch die Signale übersieht und/oder das Verhalten des Hundes fehlinterpretiert.

Befindet sich dein Hund zum Beispiel in einem inneren Konflikt, weil ihm ein gruseliger Mensch ein besonders tolles Leckerli oder Spielzeug anbietet, das er unbedingt haben möchte, wird er mit großer Wahrscheinlichkeit ambivalente (widersprüchliche) Signale aussenden.

Der Hals ist vielleicht lang gestreckt, um sich dem Objekt der Begierde zu nähern, die Rute wedelt eventuell ausschweifend leicht unterhalb der Rückenlinie. Die Mimik und die Ohren sprechen jedoch eine ganz andere Sprache und würden sich am liebsten 3 Meter hinter deinem Hund befinden.

Wenn aus Angst, Angstaggression wird

Empfindet ein Hund eine Situation als beängstigend wird er, je nach Wesen, Rasse, Situation, bisheriger Lernerfahrung und Auslöser, auf eine dieser fünft Verhaltensstrategien zurückgreifen:

  • Flucht ergreifen – um sich aktiv von der subjektiv empfundenen Bedrohung zu entfernen
  • Erstarren/Einfrieren– wenn der Hund sich in einem inneren Konflikt befindet und sich zwischen Flucht und Angriff nicht entscheiden kann
  • Herumalbern/Übersprungshandlung – wenn der Hund sich in einem inneren Konflikt befindet und nicht weiß wie er sich verhalten soll
  • Kampf/Drohen/Angreifen – wenn der Hund den Konfliktpartner/Auslöser dazu bewegen will, sich von ihm zu entfernen.
  • Ohnmacht/Aufgeben/erlernte Hilflosigkeit – der Hunde befindet sich im "Shutdown" um Ressourcen zu sparen für das Überleben. Dieser Zustand ist mit Abstand der schlimmste für einen Hund und beeinträchtigt auf Dauer auch den Gesundheitszustand des Hundes.

Hunde sind meist "Konfliktvermeider" und versuchen sich aus einer für sie beängstigenden oder potentiell bedrohlichen Situation in der Regel ohne Kampf zu befreien. Haben sie jedoch gelernt, dass die anderen Strategien nicht zum Erfolg führen oder der Mensch lässt ihnen keine Wahl, kann das zu angstaggressivem Verhalten führen.

Angst ist mit Abstand eine der schlimmsten Emotionen, die ein Lebewesen empfinden kann und hinterlässt im schlimmsten Fall lebenslang ihre Spuren!

Training:

Lerne die Körpersprache deines Hundes zu lesen!

Nimm distanzvergrößernde Signale ernst!

Sei der Bodyguard und der Fels in der Brandung für deinen Hund!

 Arbeite an den Ängsten deines Hundes!

Steigere das Selbstvertrauen deines Hundes!

Bestrafe deinen Hund nicht für das Knurren, Schnappen oder ähnliches!

  • Häufige Fehler: Den Hund für Angst bestrafen; die Warnsignale (Knurren) unterdrücken; den Hund in die Situation "zwingen" (Konfrontationstherapie ohne Fachwissen).

  • Sofortmaßnahme: Distanz vergrößern. Den Hund sofort aus der Situation nehmen, in der er Angst oder Aggression zeigt. Sicherheit geht vor Erziehung.